Hugo Weigel:

Die landwirtschaftlichen Betriebe in Kleinlinden nach 1945

Zunächst ein kleiner geschichtlicher Rückblick auf das damalige Dorf Linnes, das wie alle Dörfer weitestgehend von der Landwirtschaft geprägt war. Linnes wurde urkundlich etwa 1269 erstmals als Lindehe erwähnt. Der Name wurde im Verlauf der folgenden Jahrhunderte mehrfach leicht verändert über Lindes, Lyndee, Lyndez. Auf einer Landkarte von 1696, gestaltet von einem Amsterdamer Kartenverleger Theodorus Dankert ist unser Dorf südlich von Giessen unter dem Namen Linnis zu finden. Erst im 18. Jahrhundert wurde - durch die amtliche Schreibweise gefördert - der Name Kleinlindes bis zum heutigen Kleinlinden eingeführt, was aber die alten und auch z. T. "neu Linneser" nicht davon abhält, den jahrhunderte alten gewachsenen Namen im täglichen Sprachgebrauch zu benutzen.

Im Jahr 1502 hatte Lindeß ca. 40 Einwohner. Die Einwohnerzahl wuchs in den folgenden dreihundert Jahren fast ständig. Einen großen Sprung gab es jedoch nach dem Jahr 1854 (dem Entstehungsjahr des Posaunenchores), da hatte Kleinlinden 479 Einwohner. Nur 56 Jahre später, im Jahr 1910, hatte sich die Einwohnerzahl mehr als verdreifacht, nämlich auf 1680 Menschen. Diese Bevölkerungsentwicklung war auf den Bau der Main-Weser-Bahn und den Bahnstreckenbau Koblenz-Wetzlar-Gießen, der in diesen Jahren stattfand, zurückzuführen. Beide Strecken durchschnitten die Kleinlindener Gemarkung.
Was die Größe der Gemarkung betrifft, war Kleinlinden nicht besonders großzügig im Vergleich zu anderen Gemeinden ausgestattet. Im Jahr 1854 hatte das Dorf eine Gesamtfläche von 295,75 ha. bzw. 1183 Morgen. Das hat sich bis zur Eingemeindung zu Giessen im Jahre 1939 kaum geändert.
Dieser Umstand (kleine Gemarkung) und das hier geltende Erbrecht hatten auch zur Folge, daß es in Kleinlinden eigentlich nie große Bauernhöfe gab. Durch den nicht zu erwartenden starken wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland nach dem Krieg gaben schon nach einigen Jahren immer mehr Leute ihre Landwirtschaft auf, weil sie ihr Geld anderweitig leichter verdienen konnten.
Durch politische Entscheidungen, die nicht unbedingt vom Volk mitgetragen wurden, sind aber auch - zumindest bundesweit - viele Betriebe regelrecht ruiniert worden. Ein Beispiel mag das schlaglichtartig verdeutlichen:
Im Januar dieses Jahres wurde mit glaubhaft berichtet, daß in einem Nachbarort im Jahr 1998 ein Landwirt vier Ferkel zu einem Stückpreis von DM 90,00 gekauft hatte. Nachdem er die Schweine schlachtreif gemästet hatte, bekam er für die vier Schweine insgesamt DM 500,00. Ob diese Entwicklung, die unsere Landwirtschaft langsam aber sicher zu Grunde richtet, nützlich ist, mag jeder selbst beantworten. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Kleinlinden, das kann man heute kaum noch glauben, rund siebzig landwirtschaftliche Betriebe, die ein eigenes Fuhrwerk hatten und ganz oder nebenerwerblich ihren Lebensunterhalt aus dem Erlös der Landwirtschaft bestritten.
Was war das damals für ein reges Treiben bei so vielen bäuerlichen Familien im Dorf und auf dem Feld. Überall sah man Leute bei der Arbeit oder auch im Gespräch miteinander. Ich kann mich noch gut entsinnen, daß mein Vater, wenn er das Nachtläuten auf dem Feld hörte, die Mütze abnahm und das Vaterunser betete. Ich gehe davon aus, daß manche anderen Bauern, die auch an Gott glaubten, das gleiche taten.

Untenstehend sind alle Betriebe, die ein eigenes Fuhrwerk hatten, zum Teil mit Dorfnamen, nach Straßen geordnet aufgeführt. Die vielen Familien, die nur Kleinvieh hatten, sind hierbei nicht berücksichtigt. Die Zugtiere waren in der Regel Kühe, die aber auch gleichzeitig Milchkühe waren. Einige Bauern fuhren auch mit Eseln, andere mit Pferden. Später schafften auch manche Bauern Traktoren an.

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken bei den vielen Linneser Leuten, die mir bei meinen Nachforschungen mit großer Bereitwilligkeit geholfen haben. Dabei kam es auch zu manchem schönen und ausführlichen Gespräch über die alte, zum Teil fast vergessene, gemeinsam erlebte Zeit.
Die Zusammenstellung wurde mit dem Ziel erarbeitet, alle infragekommenden Landwirte zu erfassen. Dabei kann es aber möglich sein, daß jemand übersehen wurde. Das bitte ich zu entschuldigen.

Geschrieben im Januar 1999 von

Hugo Weigel


Wetzlarer Straße                                                 Dorfname

Ludwig Weller Andermanns Ludwig
Ludwig Faber Faber Lui
Wilhelm Jung 6. Schulludwig oder Burglang
Hermann Langsdorf Anderese
Heinrich Reuschling Moares
Hermann Weigel Rechnersch
Wilhelm Schmidt Löwerts
Friedrich Lenz Löwerts
Wilhelm Theiß  
Walter Klingelhöfer Hahns
Fritz Weller Strimpchers
Hugo Weigel Kohlenhugo
Wilhelm Germer Raiffeisen-Germer
Anna Schmidt Löwerts
Wilhelm Schaum Schmidtschaum
Ludwig Jung Beckerlui
Ludwig Weller Dengelludwig oder Schustersch
Ludwig Weigel Hannjerludwig
Wilhelm Volkmann Adlerwirts
Marie Reiß  
Fritz Langsdorf Kloersch Fritz
Philipp Langsdorf Kloersch Philipp
Konrad Lotz Lotze Konrad
Karl Weigel Burgludwigs Karlche
August Langsdorf Schwoazersch Aust
Albert Klein Größersch oder Ackers Albert
     
Lützellindener Straße
     
Wilhelm Rinn  
Jakob Freitag  
Albert Jung Rußjersch
Ernst Deibel  
Karl Otto  
Heinrich Bechtold  
Heinrich Klein  
     
Albert Boßler Straße
     
Friedrich W. Jung  
     
Katzenbach
     
Adolf Jung Häuser Adolf
Ludwig Volk  
     
Hügelstraße
     
Wilhelm Lenz 7. Uhrmachers
Walter Klein Schumoastersch Walter od. Lotze Walter
     
Zum Maiplatz
     
Georg Engel Spaniersch
Anton Weller Holler Anton
Marie Faber Fabersch Morche
Karl Schimmel  
Philipp Lenz Hannjersch Philipp
Wilhelm Klein 2. Lotze Wilhelm
Karl Lenz Theiße Karl
Anton Schäfer  
     
Brandweg
     
Karl Jung Schumosch Karl
Heinrich Schimmel  
Theo Leib  
     
Zum Weiher
     
Karl Amend  
Fritz Jung Neidels oder Schoppe Fritz
Walter Theiß  
Ernst Pfaff  
     
Frankfurter Straße
     
Walter Ilge  
Albert Deibel  
Philipp Diehl  
August Müller Müllerkarls
Willi Jung Schlengels
Ludwig Lenz Fleischbeschauersch
Wilhelm Weigel Schwoarzersch
Ernst Klein Ackersch Ernst
Karl Lenz Hannjersch
Friedrich Germer Germer Fried
Friedrich Morneweg  
Friedrich Steinmüller Kirchendienersch oder Kreilings Fritz
Richard Veit  
Philipp Weller Dengels Philipp
Wilhelm Schepp  
     
     
     
August Weller 1. Dengels Aust
     
An den Schulgärten
     
Albert Mohr Mohrsch Schuster