Andreas Schmidt: 

3. Grabstein für Johann Melchior Lenz (+1754) 
In die westliche Außenwand der Friedhofskapelle eingelassen.
Maße (in cm): Gesamthöhe 152 (ohne Sockel 111,5), Breite 80,5.
Material: Roter Sandstein. 
Vorderseite
Im Giebel eine Krone (in Anlehnung an die Offenbarung Johannis, Kap. 2, Vers 10, als "Krone des Lebens" zu deuten). Seitlich unterhalb derselben je ein geflügelter Engelskopf mit herabhängenden floralen Ornamenten (Ranken mit Blüten). 
Inschrift:

Hier Ruhet
H(er)r: Joh:(ann) Mölcher Lintz
gewäßener Cent gerichts
Schöffen und Feld geschwohrner
er ist gebohr:(en) 1681 von Joh:(ann) Lintz
und Catharinen auch gewäßener
Cent gericht Schöffen er begab sich
in die Ehe 1709 mit Anna Catharina
des H(er)r: Stoffel Wellers tochter
mit selbiger in 9 Jähr:(iger) Ehe
2 Söhne eine tochter er zeuget
wieder begab er sich in die 2
Ehe 1719 mit Anna Margretha
Földin mit der selben in 35
Jähr:(iger) Ehe keine Kinder er zeuget er
Starb Seel:(ig) 1754 10 t Oct(o)b:(ris)
seines alters 73 Jahr

Rückseite:
Sicherlich bearbeitet, aber nicht zugänglich.
 


Es handelt sich hier um den Grabstein des Centgerichtsschöffen Johann Melchior Lenz, 28.01.1681 - 03.10.1754.
Am 12.02.1709 heiratete er Anna Catharina Weller aus Heuchelheim, 29.03.1688 - 08.03.1718.
In 2. Ehe heiratete er am 12.01.1719 Anna Margaretha Volck aus Allendorf.

So lautet der Sterbeeintrag der 1. Ehefrau im KB Großen-Linden:
 
den 11ten Mertz 1718 begraben Anna Catharina, Joh. Melchior Lentzen Frau zu Lindes, diese Frau ist einige Jahr lang sehr mit der Melancholie geplaget gewesen, und hat sich allerhand Hertz quälende gedanken und Einbildungen gemacht, welche endlich so heftig überhand genommen, daß sie am 25. Febr. früh morgens gegen 4 Uhr auß dem Bette auffgestanden, und in eine Kammer beyseyte gegen der Schlaft Stube übergegangen, und sich allda mit einem Messer die Gurgel, also Kehle, durchgeschnitten, und obzwar die Medici und Chirurgi verletzung so lethal gehalten, daß sie keine Churmittel bey ihr applicieret, so hat doch gleichwohl die Frau noch bis in den 12. Tag hernach gelebt; weil aber die Gurgel so hart verletzt geweßen, daß nicht das allergeringste an Speiß und Tranck können bey sie gebracht werden, so ist sie von Hunger und Durst ausgezehret am 8ten Mertz frühmorgens gegen 8 Uhr verschieden, nachdem sie vorher ihre unglückselige That hertzlich bereuet auch von dem in ihrem Leben sichß aufgeführet gehabt, daß sie ein gutes Lob hat.
Ist alt gewesen 30 Jahr weniger 1 Monath.
Das Begräbnuß ist nach gewöhnlichem christl. Brauch auf ergangenen Consistorial-Befehl geschehen.                                      Weiter in der Gruppe